Liberty News - Anleger im Spannungsfeld zwischen Home-Bias und globaler Diversifizierung

Knapp die Hälfte der Schweizer Anleger hält den Grossteil des Vermögens in Schweizer-Franken-Anlagen. Wegen der Struktur des Schweizer Aktienmarkts und des Home-Bias bei Pensionskassengeldern sollten Schweizer Anleger ihr frei investierbares Vermögen stärker streuen, raten Experten.

Schweizer Anleger sind zwischen einer traditionellen Vorliebe für Schweizer Anlagen und der zunehmenden Tendenz zur internationalen Diversifizierung gespalten. Im Vergleich zum Diversifizierungs-Trend in Europa ist der sogenannte Home-Bias, also der Fokus auf bekannte inländische Titel beziehungsweise auf Anlagen in Schweizer Franken, hierzulande besonders ausgeprägt. Dies zeigen die Schweiz-Ergebnisse der im Auftrag von Fidelity International durchgeführten „Be-Invested“-Umfrage unter 13’000 Privatanlegern in Europa und der Asien-Pazifik-Region, darunter 500 Investoren in der Schweiz.

Die Umfrage zeigt, dass fast die Hälfte der Schweizer Anleger ihre Investments stark auf den heimischen Markt ausrichtet: 33% halten mindestens 75% ihrer Anlagen in Schweizer Franken und weitere 16% einen Grossteil. Demgegenüber stehen rund 40%, die weniger als die Hälfte ihres Vermögens in Schweizer Franken investieren, was auf eine nennenswerte internationale Diversifizierung hindeutet.

Jüngere Anleger investieren diversifizierter

Jüngere Schweizer Anleger im Alter von 18 bis 34 Jahren konzentrieren sich deutlich weniger auf inländische Investments. Nur 27% halten überwiegend Franken-Anlagen, während mehr als ein Viertel weniger als 25% ihres Portfolios entsprechend investiert. Auch hat die Umfrage ergeben, dass jüngere Anleger insgesamt aufgeschlossen fürs Investieren sind. Dies spiegelt den allgemeinen europäischen Trend wider, wonach mehr als zwei Drittel der jüngeren Anleger planen, mehr zu investieren. Im Gegensatz dazu konzentrieren sich Schweizer Anleger ab 55 Jahren weiterhin stark auf den heimischen Markt. Fast die Hälfte (47%) hält den Grossteil der Anlagen in Schweizer Franken.

Bei Schweizer Anlegern, die bereits international diversifiziert sind, deckt sich die Begründung weitgehend mit den in ganz Europa zu beobachtenden Einstellungen. Von denjenigen, die weniger als 50% ihres Vermögens in Schweizer Franken halten, geben knapp zwei Drittel (64%) an, dass Anlagen ausserhalb der Schweiz und in Fremdwährungen wichtig sind, darunter 25%, die diese als sehr wichtig bezeichnen.

Schweizer Anlegermarkt befindet sich im Wandel

Insgesamt deuten die Ergebnisse auf einen Markt im Wandel hin. Während in der Schweiz unter älteren Anlegern nach wie vor inländische Anlagen die Kapitalanlage dominieren, richten jüngere Anleger ihren Blick zunehmend über die Landesgrenzen hinweg, was auf eine allmähliche Verlagerung hin zu global diversifizierten Portfolios hindeutet. «Traditionell investieren viele Schweizer mit einem zu starken Fokus auf inländische Anlagen», kommentiert Pascal Schuler, Head of Sales Switzerland bei Fidelity International. Er fährt fort: «Diversifikation ist der einzige ‚free lunch‘, wie auch Nobelpreisträger Harry Markowitz in den 90er Jahren in seiner Modernen Portfoliotheorie feststellte. Die Entwicklung des Schweizer Frankes über die letzten Jahrzehnte, ein stabiles politisches Umfeld sowie innovative und marktführende Unternehmen können als Erfolgsgeschichte und als wesentliche Faktoren dieser Konzentration auf heimische Werte angeführt werden.»

Grossteil der Gelder der zweiten Säule wird in Schweizer Anlagewerte investiert

Anleger sollten sich trotzdem im Klaren sein, dass Schweizer strukturelle Marktausprägungen, längerfristig die Rendite und Robustheit eines Portfolios beeinflussen können, erklärt Schuler weiter: «So resultiert bei einem zu hohen Schweiz-Fokus eine Übergewichtung defensiver Sektoren wie dem Gesundheitswesen oder Basiskonsumgütern, aber auch die Vernachlässigung globaler Wachstumsbranchen wie zum Beispiel Technologie. Das Bild akzentuiert sich, wenn man neben dem privaten Vermögen auch die Gelder der Schweizer Vorsorgestiftungen einbezieht, die einen erheblichen Teil des Vermögens Schweizer Privatanleger ausmachen. Auch wegen regulatorischer Vorschriften wird ein Grossteil der Gelder der zweiten Säule in Schweizer Anlagewerte investiert.»

Schweizer Anleger sollten sich nach Ansicht von Schuler daher die Frage über den Sinn der geografischen Allokation von frei verfügbaren Vermögenswerten stellen: «Der hohe Anteil Schweizer Aktien, Obligationen und Immobilien in Portfolios steht im Missverhältnis zum Schweizer Bruttoinlandprodukt, das lediglich rund 0.85% der globalen Wirtschaftsleistung beträgt. Dies gilt auch mit Blick auf den Anteil der gesamten Schweizer Aktienmarktkapitalisierung im Verhältnis zum Global MSCI World IMI von rund 2%».

Über der Heimatliebe sollte man nicht die Diversifikation vernachlässigen

Auch wenn einige Argumente für Schweizer Anlagen sprechen: Die Heimatliebe sollte nicht dazu führen, dass man die Diversifikation vernachlässigt und sich unbewusst Konzentrationsrisiken aussetzt, mahnt Schuler. «Gerade als globaler Vermögensverwalter verfügen wir über ein holistisches Portfolio an Lösungen, die in unterschiedlichen Marktszenarien erfolgversprechend sind und Anlegern helfen, ihr Vermögen global zu investieren», so Schuler abschliessend.